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Feld-Fliegerabteilung 45 im September 1916

Der Stofl 12
besucht am 20.09.1916 die FFA 45 an der Ostfront: Erkannt wurden: Lt.
Alfred Lode (O), Lt. Rudolf Bertelsmeier (P), Lt. Herbert von Prittwitz
und Gaffron (O)(Adjutant Stofl 12), Lt. Kurt Küppers (P) Quelle: Neal
O´Connor - Aviation Awards of imperial Germany WW1 Vol III
Zu Gast bei der FFA 45 im September
1916: Die Feldfliegerabteilung 45 (FFA 45) wurde
am 13.09.1914
aufgestellt.
Am 11.01.1917 wurde die Einheit in die Fliegerabteilung 1
umbenannt und
bestand bis Kriegsende.

Die Sieger im
Luftkampf. Der Besatzung der FFA 45, Leutnant Alfred Lode (O)(links) und
Leutnant (Walter) Wolff (P)(rechts). Ihnen gelang am 25.09.1916 der erste bestätigte
Luftsieg über ein russisches Großflugzeug Sikorsky Ilja Muromez.
Der nachfolgende Text entstammt aus den
Aufzeichnungen von Leutnant Wolff:
An einem sonnigen Herbstmorgen, es war am 25.
September 1916, früh sieben Uhr, erscholl durch den langen Korridor
unseres Offizierhauses der alarmierende Ruf:
„Der
Sikorsky
kommt!“
Sikorsky ist ein bekannter russischer Flugzeugkonstrukteur, der schon
im Frieden den Bau von Riesenflugzeugen aufgenommen hatte. Und als ein
feindliches Riesenflugzeug seiner Bauart bei uns auftauchte, bekam es
den Namen „der Sikorsky“.

Großflugzeug und Bombenflugzeug der russischen Luftstreitkräfte Typ
Sikorsky Ilja Muromez
Zweimal war es über unseren Flugplatz in großer Höhe gezogen und hatte auf
unseren Bahnhof und auf Unterkünfte Bomben geworfen, die jedoch keinen
nennenswerten Schaden angerichtet hatten.
Unsere beiden Kampfeinsitzer waren bereits in der Luft, während wir
Doppeldeckerflieger zum größten Teil noch schliefen. Alles stürzte
natürlich — vereinzelt in recht komischen Anzügen — auf den Platz, um
den Riesen zu beobachten, während ich mich rasch ankleidete und mein
Flugzeug startbereit machen ließ. So schnell waren wir, glaube ich,
noch nie zu einem Fluge bereit; in wenigen Minuten befanden sich mein
Beobachter und ich in der Luft.
Es
war ein herrlicher Morgen. Die Luft trug gut, das Flugzeug stieg rasch. In
zwanzig Minuten hatten wir zweitausendfünfhundert Meter erreicht und
sahen an der Front einen langen, schmalen, schwarzen Strich, den „Sikorsky“, in etwa dreitausend Metern die Linie überfliegen.
Ich flog noch einmal über unseren Flugplatz zurück,
und in einer großen Schleife wieder auf den Russen zufliegend, hatte
ich die gleiche Höhe erreicht. Es galt nun rasch zu überlegen, wie wir
angreifen sollten, denn der „Sikorsky“ war gefürchtet,da er eine starke Bewaffnung haben sollte und
schon
mehrere eigene Flugzeuge arg zugerichtet hatte. Wie wir jetzt sahen,
war er von einem Eindecker vom Parasol-Typ und drei bis vier
Voisin-Flugzeugen begleitet. Ich ließ den Feind erst drei bis vier
Kilometer über unsere Front kommen und flog in fast tausend Metern
Entfernung parallel mit ihm, um zu erkunden, welches Ziel er diesmal
für seine Bomben gewählt hatte. Es war — seiner Flugrichtung nach —
das zehn Kilometer hinter der Front gelegene Divisionshauptquartier,
das aber vor einigen Tagen verlassen worden war.
Mit der Sonne im Rücken griff ich den „Sikorsky“
nun an, indem ich mich links seitlich von ihm hielt und genaues Ziel
auf den verwundbarsten Teil, die geschlossenen Gondeln, hatte. In
dreihundert Metern Entfernung eröffneten wir das Feuer. Das Ziel war groß
und gut erkennbar. Ruhig flog der Riese auf sein Ziel weiter, ohne von
uns Notiz zu nehmen. Er war verhältnismäßig langsam, doch stieg er
gut, als er von unseren Abwehrgeschützen arg beschossen wurde. In wenigen
Minuten war ich auf hundertfünfzig Meter näher gekommen und konnte zur
großen Freude feststellen, daß die ersten Schüsse gut gesessen hatten,
denn der rechte äußere Motor musste getroffen sein. Der Propeller drehte
sich nur noch langsam und stand plötzlich still. Nur noch drei Motoren
bewegten ihn vorwärts, einer rechts, zwei links. Die „Sikorsky“ verlor
an Höhe.
Da öffnete sich plötzlich im oberen Tragdeck eine
Luke, und es erschien ein Maschinengewehrschütze, der auf uns feuerte.
Mittlerweile war ich auf hundert Meter herangekommen, und von neuem
eröffnete mein Beobachter, der fast nur vorneheraus schoß, das Feuer. Ich
lenkte nun mein Flugzeug so, daß wir zwischen dem unteren Tragdeck und
Rumpf die Gondel unter Feuer nehmen konnten. Durch den starken
Propellerwind des Riesen wurde mein Flugzeug hin und her geworfen, und
wiederholt mußte ich es auf den Kopf stellen, um es zu beruhigen und
nicht über den Riesen hinwegzufliegen, da er mich sonst von hinten
angegriffen hätte.
Inzwischen war ich auf fünfzig Meter näher gekommen
und konnte jede Bewegung der Gegner im Flugzeug erkennen. Der
Maschinengewehrschütze war vom oberen Tragdeck verschwunden,
gleichzeitig aber öffneten sich an der hinteren Seite Klapptüren, aus
denen wir mit zwei bis drei Maschinengewehren beschossen wurden. Die
Geschoßeinschläge prasselten in meinem Flugzeug, wie wenn man Erbsen
auf den Erdboden schüttet. In diesen Augenblicken „drückte“ ich das
Flugzeug auf hohe Tourenzahl und zog es in einem großen Sprung über
den Feind, so daß die größte Anzahl der Treffer unter meinem Flugzeug
vorübersurrte. Sofort stellte ich dann Gas ab und stellte die „Kiste“ auf
den Kopf, auf den Gegner zu, so daß wir von oben seitlich die Gondel
befeuern konnten.
So manövrierte ich dreimal. Inzwischen hatten wir
den Russen sechs bis zehn Kilometer hinter unsere Front gedrückt, und
da er tiefer ging, hoffte ich, ihn noch auf den Boden zwingen. Wir waren
inzwischen auf zweitausendfünfhundert Meter gesunken. Plötzlich
versuchte er weiterfeuernd eine Linkskurve zu machen, vermutlich um im
raschen Gleitflug über seine Front zurückzukommen. In diesem Augenblick
riß ich ebenfalls mein Flugzeug herum und griff ihn erneut feuernd
nochmals in der Flanke an und beobachtete gleichzeitig, wie der Riese
zu wanken begann. Er drehte sich plötzlich dreimal um sich selbst in enger
Spirale und stürzte senkrecht in die Tiefe. Während der Spirale löste
sich der äußere Teil des oberen Tragdecks, auf den die russische
Kokarde gemalt war, ab und flatterte davon. Wahrscheinlich hatten wir den
äußeren Holm zerschossen, denn das später aufgefundene Stück des
Tragdecks war von unzähligen Maschinengewehrtreffern durchlöchert.
Sofort versuchte ich in enger Spirale dem
stürzenden Flugzeug nachzugehen, doch schon bei der zweiten Kurve
stand mein Motor still. Alle Versuche, ihn wieder in Bewegung zu setzen,
waren vergeblich. Erschreckt drehte sich mein Beobachter um und
glaubte wohl an keine gute Landung. In einem langen Gleitfluge
versuchte ich den Flugplatz einer nahen Artillerieabteilung zu erreichen,
was mir auch glatt gelang. Während des Niedergehens, wir waren noch
zweitausendvierhundert Meter hoch, betrachtete ich nun mein Flugzeug.
Die Begleitflugzeuge des Russen waren inzwischen von unseren
Kampfeinsitzern vertrieben worden. Unsere Tragdecken waren beiderseitig
stark zerschossen, eine innere Strebe war völlig zerschossen, der
Propeller hatte im oberen Blatt zwei Schuß, und auf den Boden des
Flugzeuges rieselten Benzin und Öl. Auf dem Landungsplatz angekommen,
entdeckte ich gegen siebzig Treffer im Flugzeug. Der Öl- und
Notbenzintank, der direkt unter dem Motor lag, völlig aufgerissen, die
Hauptbenzinleitung durchschossen. Das Fahrgestell wies eine große Anzahl
Treffer auf. Wir beide hatten nichts abbekommen. Ein Schuß, der im
Anlasser steckengeblieben war, war scheinbar für mich bestimmt, das
wäre gewiß ein Bauchschuß geworden.
 Die
noch rauchenden Trümmer des abgeschossenen Sikorsky Großflugzeugs
Auf dem Platz begrüßten uns jubelnd die
Mannschaften, die den fast zehn Minuten langen Kampf volle Spannung
beobachtet hatten. Zwei Kilometer entfernt lag der tote Riese, den wir
sofort zu besichtigen fuhren. Viel war nicht übriggeblieben. Beim
Aufprall waren die Bomben zum Teil explodiert, die unvorsichtigerweise
die Russen vor dem Kampf nicht abgeworfen hatten und die im Aufschlagen
das Flugzeug auseinandergerissen hatten. Das Gerippe des Flugzeuges
war noch zu erkennen, Einzelheiten konnten aber nicht mehr
festgestellt werden. so zerfetzt und zerrissen war alles. Der Schwanz lag
dreißig Meter von den Tragdecken entfernt, von denen die eine im
Gerippe noch gut erhalten war und zweiundzwanzig Schritt maß, so daß
die gesamte Spannweite des Flugzeuges etwa vierundvierzig bis
achtundvierzig Schritt betrug.

Die Reste der 4 Motoren des bei Boruny abgeschossenen Großflugzeug
Typ Sikorsky Ilja Muromez
Der Rumpf ist sehr lang
und schmal, besteht aus Furnierholz und ist zwischen den Tragdecks zu
einer großen Gondel ausgebaut, deren unterer Teil aus Furnierholz besteht,
während der obere Teil, der mit den oberen Tragdecken abschließt und
etwa einen Meter über die vordere und hintere Kante des oberen
Tragdecks hinausgebaut ist, aus Marienglas besteht. Im oberen Tragdeck
befindet sich eine Öffnung für den Schützen, der über das obere
Tragdeck schießen kann. In den Seiten der Gondel befinden sich Klapp-
und Schiebetüren, aus denen geschossen wurde. Die Bewaffnung bestand aus
einem wassergekühlten und zwei luftgekühlten Maschinengewehren.
Die Motoren sitzen auf dem unteren Tragdeck, und zwar je zwei rechts und
links, und dürften englisches Fabrikat zu je zweihundertzwanzig
Pferdestärken gewesen sein. Unter den Trümmern fand ich eine einen
Meter hohe Druckflasche, ähnlich unseren Kohlensäureflaschen, eine
elektrische Klingel mit vielen Trockenbatterien, die noch erkennbar waren.

Die Reste der abgeschossenen Sikorsky
bei Boruny.
Sämtliche vier Insassen
waren tot. Die Besatzung bestand aus einem russischen Flieger-Hauptmann,
einem
Artillerie-Hauptmann, einem Kavallerie-Oberleutnant, der vierte Mann war
vollständig verbrannt
und nicht mehr zu erkennen. Wahrscheinlich ist
die Besatzung vor dem Aufprall getötet worden, denn
alle drei Offiziere
wiesen mehrere Treffer in Kopf und Brust auf. Ein Teil der Gondel war wie
ein Sieb
durchlöchert. In den gefundenen Papieren war das Riesenflugzeug mit dem
Namen „Ilja Muromez“ benannt,
von denen immer zwei Flugzeuge mit mehreren
Begleitflugzeugen ein Geschwader bilden sollten.

Am 26. September 1916 wurden die Gefallenen mit
militärischen Ehren in Boruny beerdigt.
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